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Frank Kasper (Theaterleiter)
 

„Meilensteine“, Szenenbilder und der Deutsche Film in Cannes


Die Bundesrepublik feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag – kaum ein anderes Medium hat die bewegte Entwicklung des Landes so eindrücklich widergespiegelt wie der deutsche Film. Moderatorin Ute Soldierer stellt Ihnen in der Juni-Ausgabe von KINO, dem deutschen Filmmagazin bei DW-TV, eine neue Serie vor, die sich der heimischen Filmgeschichte widmet: „Meilensteine“ beleuchtet jede Epoche und die aus ihr hervorgegangenen Meisterwerke. Den Anfang machen die Nachkriegsjahre – erfahren Sie mehr über die Ära zwischen idyllischem Heimatfilm und engagierter Antikriegsbewegung, die ihren Ausdruck in Bernhard Wickis Film „Die Brücke“ fand. Wie es überhaupt zu Faschismus und Krieg kommen konnte, entlarvt der österreichische Regisseur Michael Haneke: Sein Film „Das weiße Band“ wurde auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes mit dem Hauptpreis, der „Goldenen Palme“ geehrt. Sehen Sie außerdem, wie sich der deutsche Film in Cannes präsentiert hat, und entdecken Sie mit Szenenbildner Uli Hanisch, wie ein Drehbuch sein unverwechselbares Leinwandgesicht bekommt. Als Filmtipp stellen wir Ihnen mit „Jakobs Bruder“, „Spielverderber“ und „Im Sog der Nacht“ drei intensive Debütwerke vor.

Viel Vergnügen!

Ein „Meilenstein“ gegen den Krieg: Bernhard Wickis Film „Die Brücke“

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs werden sieben blutjunge Soldaten zum Dienst an der Waffe eingezogen, um eine strategisch irrelevante Brücke in ihrem Heimatort zu bewachen. Ein absurder Kampf beginnt, der zum grausamen Scheitern verurteilt ist: Mit welchem Ausmaß an Grauen der Krieg eine hoffnungsvolle, unschuldige Generation traumatisiert hat, zeigte Regisseur Bernhard Wicki 1959 in seinem überwältigenden Film „Die Brücke“, dem ersten großen Antikriegsfilm der deutschen Filmgeschichte. Rainer Rother, Direktor der deutschen Kinemathek in Berlin, beleuchtet  die immense Bedeutung dieses bis heute unerreichten Films, der die Sehgewohnheiten des Nachkriegsdeutschland revolutionierte. 


Szenenbildner Uli Hanisch: Von der Vision zum Erlebnis

Wie schafft man es, das imposante New Yorker Guggenheim Museum nachzubauen? Und: Wie verfilmt man ein Drehbuch, das den Wahrnehmungssinn „Geruch“ thematisiert? Deutschlands erfolgreichstem Szenenbildner Uli Hanisch („The International“, „Das Parfum“) ist all dies in Zusammenarbeit mit Regisseur Tom Tykwer gelungen. Ein Porträt von Oliver Glasenapp.


Ein fatales Trio „Im Sog der Nacht“

Der hervorragend besetzte, psychologisch tief gehende Debütfilm von Markus Welter: Völlig abgebrannt und desillusioniert will sich der 25jährige Roger (Nils Althaus) das Leben nehmen. In letzter Sekunde verhindert das charismatische Liebespaar Chris (Stipe Erceg) und Lisa (Lena Dörrie) den Selbstmordversuch. Die drei fühlen sich sofort wie füreinander bestimmt, also wird Roger in den Plan eingeweiht: Ein akribisch durchdachter Bankraub soll die Voraussetzung für ein besseres Leben sein. Doch der große Coup eskaliert, als Chris im Taumel zwischen Euphorie und Panik einen Mord begeht...


„Spielverderber“? Schiedsrichter!

Sie stehen im Fußball-Zentrum erhitzter Gemüter – und dürfen selbst keinerlei Gefühle zeigen: Dass der Beruf des Schiedsrichters eine Herausforderung für sich ist, zeigt der Debüt-Dokumentarfilm „Spielverderber“ von Georg Nonnenmacher und Henning Drechsler. Ein Jahr lang haben die beiden drei ganz unterschiedliche Schiedsrichter begleitet  - mit Scharfblick, Feinsinn und viel Humor.


Unterwegs mit „Jakobs Bruder“

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen: Der ernsthafte Jakob (Klaus J. Behrendt) und sein Bruder, der Call-In-Show-Moderator Lorenz (Christoph Maria Herbst) könnten unterschiedlicher nicht sein. Seit langem ist die Beziehung eingefroren – doch jetzt kommt es auf Zusammenhalt an. Als ihre Mutter Anna (Hannelore Elsner) an Alzheimer erkrankt, reisen die Geschwister zu ihr nach Hause. Schon bald entpuppt sich die gemeinsame Fahrt als Zerreißprobe, die ihnen viel über den anderen und noch mehr über sich selbst offenbart. Ein facettenreicher Debütfilm zwischen Tragik, Komik und Humor von Regisseur Daniel Walta.


Die „Goldene Palme“ für Michael Haneke

Der österreichische Regisseur Michael Haneke ist auf dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere - für seinen Schwarz-Weiß-Film „Das weiße Band“ wurde der 67jährige bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Hauptpreis geehrt: Im Deutschland vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs pflegt man harte Arbeit, Protestantismus, Zucht und Ordnung. Michael Haneke über autoritäre Strukturen und ihre verheerende Auswirkung auf die nachfolgenden Generationen.


Gemeinsam sind wir stark – Der deutsche Film in Cannes

Deutsch-internationale Koproduktionen sorgten für Begeisterung und Überraschungserfolge bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes: Kultregisseur Quentin Tarantino brachte mit seinem Film Inglorious Bastards nicht nur seinen Hauptdarsteller Brad Pitt mit zum roten Teppich: Der deutsche Schauspieler Christoph Waltz wurde für seine Rolle als SS-Offizier als Bester Darsteller geehrt. Ob er auf diesen internationalen Erfolg gefasst war, und welche enorme Strahlkraft dieser zum Großteil in Babelsberg gedrehte Film für die deutsche Filmszene innehat, erfahren Sie in diesem Beitrag. Auch Lars von Triers Skandalfilm Antichrist wurde zum Teil in Deutschland gedreht und in Cannes gefeiert: Sehen Sie hier einige der eindrucksvollsten Szenen, für die Charlotte Gainsbourg als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde!